Asturien und Galicien

Asturien

Nach fast 30 Jahren in der Tourismusbranche kannte ich schon viele Regionen in Spanien und nun ging es auf Schulungsreise nach Asturien und Galicien. Ich hatte überhaupt keine Vorstellung was mich erwartet, da die Regionen nur selten in Katalogen zu finden sind und sie mir nur aus meiner gastronomischen Laufbahn als Weinregion bekannt waren. Neugierig stieg ich in den Flieger via Madrid nach Oviedo. Dort angekommen, nahm jeder seinen Koffer vom Band, nur meiner war nicht da! Eine Rundreise ohne Koffer?…wie soll das gehen? Nachdem ich den ersten Schock überwunden hatte, bliebe gar keine Zeit länger darüber nachzudenken. Ich deckte mich mit den nötigsten Dingen für die erste Nacht ein und gleich ging es weiter nach Gijon, denn eine Schulungsreise ist immer straff geplant.

Gijon, direkt an den Ufern des Kantabrischen Meeres gelegen, bietet die Stadt eine wundervolle Kombination aus Hafenstadtflair, architektonischem Erbe und Moderne. Sie war auch Finalistin des Programms EDEN der Europäischen Kommission (European Destinations of Excellence) in Anerkennung ihrer Bemühungen um nachhaltigen Tourismus. Es sind noch überall die Zeugnisse aus ihren Anfängen als römische Siedlung erhalten. Wichtige Bauten stammen aus dem 16. Jahrhundert, als die Katholischen Könige hier einen Hafen anlegen lieβen, sowie aus der Zeit der Aufklärung. In den letzten Jahrzehnten hat die Stadt einschneidende Veränderungen erlebt, ohne allerdings die historische und industrielle Identität zu verlieren. Die kleine historische Altstadt liegt zwischen der Landzunge und dem südlichen Abhang des Cerro Catalina, rund um die Plätze Plaza del Marqués, Plaza Mayor und die Calle Capua befinden sich viele Lokale. Die Calle Instituto und die angrenzenden Straßen sowie das Viertel El Carmen machen ferner die sogenannte Wein-Route aus. Das Viertel La Arena im Osten, neben dem Strand San Lorenzo, ist eine beliebte Gegend für Leute jeden Alters und jeder Gesellschaftsschicht. Für die, die es etwas gehobener und ruhiger lieben für die ist das Viertel Somió die richtige Wahl. Ein beliebter Sonnenplatz ist die steile Gasse Cuesta del Cholo am Sporthafen. Mein Tipp: Erst am Abend wird es wirklich lebendig in der Altstadt von Gijon. Planen Sie einfach eine Übernachtung um das Treiben und die Atmosphäre zu genießen.

Nach einem aufregenden Tag ging es von Gijon in den lebendigen Küstenort Villaviciosa. Hier besichtigten wir die Apfelweinkellterei, in der die für Asturien typische Sidra hergestellt und auch konsumiert wird. Bei einem Abendessen mit typischen Gerichten durften auch wir den Sidre probieren. Es riecht überall nach Äpfeln und frischem Holz, so wie es in jeder typischen Sideria sein sollte. Der Sidre schmeckt erfrischend, ist goldgelb, etwas Säure betont und manchmal auch etwas herb. Es ist schon besonders wie das Einschenken des Apfelweins zelebriert wird. Ein bisschen Akrobatik ist auch dabei, denn in einem feinen Strahl schießt er aus dem Fass, damit er mit Sauerstoff in Kontakt kommt und somit seine vollen Aromen entfaltet. Eingeschenkt wird immer nur Fingerbreit, denn er soll immer wieder frisch genossen werden. Wirklich ein tolles Erlebnis und in Kombination mit den Gaumenfreuden der Region, vor allem dem Blauschimmelkäse ein wahrer Genuss.

Anschließend ging es ins Hotel Enclave. Das Hotel gehört zum Thermal- und Wellnesskomplex Las Caldas und liegt ca. 8 km von Oviedo.

Am nächsten Morgen war dann meine Freude groß, denn in der Nacht wurde mein Koffer angeliefert und nun konnte ich die Reise noch mehr genießen. Nach der Besichtigung des Thermalbades Las Caldas ging es nach Oviedo.

Schon in den ersten Minuten war ich fasziniert. Die Altstadt mit der Kathedrale und den alten romanischen Kirchen, die zum Weltkulturerbe der UNESCO zählen, sind die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der asturischen Hauptstadt. Der historische Teil der Altstadt liegt auf einem Hügel in der Innenstadt.  Die Kathedrale San Salvador bildet den Mittelpunkt von Oviedo. Der Bau begann im 14. Jahrhundert und der Turm der Kathedrale erreicht eine Höhe von 82 Metern. Der große Hauptaltar sowie die Krypta mit den Gräbern asturischer Könige sollten man sich auf jeden Fall anschauen. Ein Weg führt durch die Kathedrale zu einem sehenswerten Kreuzgang, zum Museum und der heiligen Kammer, diese gehörte ursprünglich zu dem königlichen Palast an dieser Stelle Sie beherbergt kostbare Reliquien und sakrale Schätze, deren ältesten Exponate aus dem 11. Jahrhundert stammen. An der Plaza de la Constitución steht das alte Rathaus und rund um die benachbarte Plaza del Fontán gibt es zahlreiche Bars und Restaurants die zum Verweilen einladen.

Weiter ging es nach Cudillero. Dieser kleine malerische Fischerort, der an den steilen Hängen dreier Berge gebaut ist und die den Ort umgeben, kehrten wir zum Mittagessen ein. Diese schmalen Gässchen, mit den über den Abgrund hängenden Häusern, die zum Hafen des Städtchens führen haben mich fasziniert. Für mich eines der schönsten Fischerorte die ich bis dahin gesehen hatte. Cudillero hat seine ökonomische Basis seit Jahrhunderten im Fischfang und der Landwirtschaft in den fruchtbaren Tälern der Umgebung. Es sind die verschieden Blickwinkel von den zahlreichen Aussichtspunkten auf die farbenfrohen Häuser, das türkisblaue Meer und das grüne Hinterland, aber auch die vielfältigen Fischrestaurants, die dieses Örtchen zu einem besonderen Erlebnis machen…..! Am Nachmittag besichtigten wir den majestätischen Palast Palacio de Selgas in El Pito, der über eine exklusive Kunstsammlung, einen wunderbaren historischen Garten, eine Kirche sowie eine eigene Schule verfügt.

Danach ging es nach Luarca, einem pittoresken Fischerort. Entlang des Hafenbeckens zieht sich der Paseo del Muelle mit vielen Bars und zahlreichen Fischrestaurants. Hier kommt je nach Saison frischer Fisch auf den Tisch. Gefangen wird hier vornehmlich Bonito, Seehecht (Merluza), Sardinen und Seeaal.

Im Zentrum des Hafenstädtchens steht das Rathaus an der Plaza Alfonso X. El Sabio. Der Platz ist benannt nach dem Gründer der Stadt, dem König von Kastilien.

Nach den vielen Eindrücken des heutigen Tages kamen wir am späten Abend im Hotel Palacete Penalba an und konnten bei einem grandiosen Abendessen nochmals alles Revue passieren lassen. Am nächsten Tag ging es weiter in Richtung Galicien, nach Ribadeo. Hier besichtigten wir den Ort, der seinen architektonischen Reichtum den ehemaligen Emigranten verdankt, die wohlhabend aus Amerika zurückkamen und in der Heimat prächtige Häuser und Paläste im Kolonialstil bauten. Die Hafenstadt liegt am Golf von Biskaya in Galicien, am westlichen Ufer des Rio Eo, der Galicien von Asturien trennt. Auf dem Weg nach Lugo, machten wir Halt an einem der schönsten Stränden der Region, der mit spektakulären Felsformationen mit Felsbögen und -höhlen emblematisch für die galicischen Strände ist. In einem traumhaften Restaurant in Lugo, mit Blick auf den Hafen nahmen wir ein typisches Mittagessen ein. Fantastisch! Beim anschließenden Spaziergang durch die Stadt erkundeten wir die ehemaligen römischen Stadtmauern, die noch fast komplett erhalten sind und zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören; auch die Thermen und die Brücke stammen noch aus der Römerzeit; sehenswert ist auch die Kathedrale.

…und weiter ging es in die Ribeira Sacra; mit der Ribeira Sacra bezeichnet man den bergigen Landstrich zwischen den Flüssen Mino und Sil, der mit beeindruckenden Naturlandschaften aufwartet (wie die Schluchten des Flusses Sil, die auch schiffbar sind). Hier findet man auch eine der größten Konzentration mittelalterlicher Kirchen und Klöster, desweiteren wird dort auch Wein angebaut. Gegen Abend erreichten wir den Ort Doade, der keltischen Ursprungs ist. Hier durften wir die Bodega besichtigen und natürlich auch den „Ein“ oder „Anderen“ Tropfen probieren. Der Albarino ist die spanische Antwort auf unseren deutschen Riesling, allerdings hat er noch das gewisse ETWAS. Er schmeckt nach Meer und bringt viele verschiedene fruchtige Aromen mit.

Es war schon sehr spät, als wir die Fahrt zum Hotel antraten. Diese Anfahrt wird mir noch lange in Erinnerung bleiben. Schon fast mystisch fuhren wir in den Abendstunden über schmale Wege und Serpentinen, der Nebel wurde immer dichter und die Wälder Galiciens immer dunkler. Dann lag es plötzlich erleuchtet vor uns, das ehemalige Benediktinerkloster, dessen Ursprung im 10. Jahrhundert liegt. Heute liegt in den Mauern der Parador de San Estevo Luintra.

MEIN TIPP: Wer auf den Spuren großer spanischer Geschichte reisen möchte, in einer historischen Burg, einem königlichen Palast oder einem alten Kloster übernachten möchte, der ist in den Paradores Hotels bestens aufgehoben. Mittlerweile gehören zur staatlichen Paradores- Hotelkette 97 Hotels auf dem spanischen Festland, auf den Kanaren und auf den nordafrikanischen Enklaven Ceuta und Melilla. Einer schöner als der andere! In Galicien gibt es allein 12 Paradores Hotels. Der Parador de San Estevo verfügt über 77 Zimmer, die sich über drei Kreuzgänge verschiedener Stile und Epochen verteilen. Die Zimmer sind alle unterschiedlich und einige davon mit beeindruckenden Aussichten über die Landschaft der Schluchten des Flusses Sil. Genau solch ein Zimmer durfte ich für eine Nacht beziehen. Ein perfekter Abschluss war das sehr späte Abendessen. Einfach köstlich! Leider ging es am nächsten Morgen schon sehr früh weiter, aber vorab konnten wir natürlich noch ein sehr gutes Frühstück genießen und den Parador bei Morgengrauen besichtigen.

Mit dem Katamaran ging es durch die Schluchten des Sils und im Anschluss in die malerische Ortschaft Cambados, die in der Ria Arosa liegt und als Hauptstadt der Weinregion des Albarino erachtet wird, einen der besten Weißweine der Welt. Cambados ist aber auch wegen seiner Paläste und Herrenhäuser bekannt. Die Altstadt wurde unter Denkmalschutz gestellt. Sehr sehenswert sind die Ruinen von Santa Mariña aus dem 16. Jahrhundert, oder die Plaza de Fefiñáns, daneben das Landgut der Familie Figueroa und die Kirche San Bieito aus dem 16. Jahrhundert. Außerdem sind die Landgüter Montesacro und Bazán, wo heutzutage ein Parador-Hotel untergebracht ist, sowie der Palast der Grafen von Maceda, ein mittelalterliches Gebäude, das im 17. Jahrhundert renoviert wurde, sowie der Palast der Familie Chariño-Sotomayor ein Highlight. Meine Empfehlung: Durchstreifen sie das Örtchen einfach zu Fuß, sie werden sehen, es lohnt sich. Cambados war mein persönliches Highlight auf dieser Reise. Vielleicht lag es auch an dem grandiosen Mittagessen in einem zauberhaften Restaurant, in dem wir sämtliche Varianten von Schaltieren gegessen haben und begleitet wurden diese 7 Gänge von köstlichen Albarino’s. Liebe geht ja bekannter Weise durch den Magen. …..! Im Anschluss fuhren wir gleich weiter  zur Bodega Pazo Balon (Villanueva de Arosa) eine der emblematischsten Kellereien der D.O. Rias Baixas, die in einem Palast aus dem 15 Jahrhundert untergebracht ist; die D.O. Rias Baixas ist eine der renommiertesten D.O.s für Weißweine in Spanien, die aus der autochthonen Albarino-Traube hergestellt werden.

Am späten Nachmittag kamen wir in der galicischen Hauptstadt Santiago de Compostela an, die zum UNESCO Weltkulturerbe gehört und die als Zielpunkt des Jakobsweges seit Jahrhunderten Besucher aus aller Welt empfängt. Auf keinen Fall dürfen sie hier verpassen, die Dächer der Kathedrale zu besichtigen. Von hier aus kann man einen Großteil des historischen Teils der Stadt und einen Teil der neuen Stadtteile sehen. Ebenso die Umgebung von Santiago, vom Pedroso bis zum Gozo Berg, das zusammen macht sie zu einem außergewöhnlichen Aussichtsplatz. Auf den Dächern kann man das Kreuz Farrapos sehen, unter dem die mittelalterlichen Pilger ihre alte Reisekleidung in einer Art von Reinigungsritual verbrannten und hier ist auch der optimale Platz, um die Bauphasen der Kirche zu erkennen, bis hin zum prunkvollen Endergebnis.

Unsere letzte Nacht verbrachten wir im Parador de Santaigo de Compostela, wohl einer der begehrtesten Paradores überhaupt, direkt an der Kathedrale.

Das 5-Sterne-Hotel befindet sich im Herzen der Altstadt im 1499 gegründeten Pilger-Spital, dem Hostal dos Reis Católicos. Die beeindruckende Architektur mit vier Kreuzgängen und das einzigartige Ambiente machen den Aufenthalt zu einem unvergesslichen Erlebnis. Santiago de Compostela ist die Hauptstadt der Region Galicien. Bekannt ist die Stadt vor allem als Endpunkt des Jakobsweges (Camino de Santiago) und als vermeintlicher Begräbnisort des Apostels Jakobus. Dessen sterbliche Überreste sollen in der 1211 eingeweihten Kathedrale de Santiago de Compostela aufbewahrt sein. Sie liegt innerhalb der mittelalterlichen Mauern der Altstadt. Santiago ist eine Studentenstadt, vermittelt somit ein besonderes Ambiente an Lebensfreude und Vitalität. Mein Tipp: Sie sollten es nicht versäumen, sich ins Nachtleben von Santiago zu stürzen, wenn die Bars und Pubs ihre Türen öffnen. Die Gastronomie in Santiago ist ein wichtiger Teil des kulturellen Lebens der Stadt. Das Angebot an Restaurants, Kneipen und Gasthäusern ist einfach spektakulär. Hier finden Sie Geschmackserlebnisse, die Lust auf mehr machen. Es ist einfach fantastisch in der unter UNESCO Kulturerbe gesetzten Altstadt am Abend von einer Bar zur nächsten zu schlendern und die Gaumenkitzler zu probieren. Für uns war es nun der letzte Abend in dieser wunderbaren Region, bevor es am nächsten Tag wieder nach Hause ging.

Mein Fazit: Der Norden Spaniens ist noch ein wahrer Geheimtipp. Galicien und Asturien. Zwei Regionen mit einer grandiosen Kulisse, rauer Küste, traumhaften Fischerdörfern und einzigartigen Städten. Ob in der Gruppe oder ganz individuell, hier bleiben keine Wünsche offen. Das war Gänsehaut pur!

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